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Was?

Ist ein souveränes Leben möglich?

»Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« – »Du musst nur die Laufrichtung ändern«, sagte die Katze und fraß sie.

Franz Kafka

Erster Akt: Es gibt nur einen modernen Konflikt: den zwischen dem wertschöpfenden Bürger und seinen Feinden. Seine Feinde sind diejenigen, die parasitär von ihm leben. Die Interessen der parasitär vom wertschöpfenden Bürger lebenden Klassen sind nicht identisch mit den Interessen der wertschöpfenden Klasse der Werktätigen.

Zweiter Akt: Es gibt im sog. Westen eine in weitgehender Anonymität lebende Herrscherklasse. Doch wie komplex verworren deren Herrschaftssystem auch vernetzt sein mag, es sind immer konkret benennbare Akteure am Werk, mit Gesichtern, Namen und Adressen. Diese Macht- und Gewaltelite hält sich eine Klasse von Angestellten aus Wissenschaft, Parteien, Propagandamedien, Beamtentum, Kirchen, NGOs usw., deren Personal sich weitgehend aus der Reservearmee eines selbstgefälligen akademischen Lumpenproletariats rekrutiert. Insbesondere in der Politik hat sich dadurch eine Kaste von in weiten Teilen inkompetenten, opportunistischen, korrupten, aber auch ebenso dummen wie bösartigen Parteipolitikern dieser Herrscherklasse angedient und übt nun destruktive Macht aus. Gemeinsames Ziel der Genannten ist die Heterogenisierung und Fragmentierung des Gemeinwesens in eine Art ›Augiasstall‹, die Atomisierung des Individuums und seine Herauslösung aus allen lebendigen, traditionalen Bindungen. Kurz: es soll damit ein Zustand geschaffen werden, an dessen Ende keine handlungsfähigen Mehrheiten mehr möglich sein sollen. Weder durch Selbstorganisation noch durch demokratische Wahlen.

Dritter Akt: Der durchschnittliche Bewusstseinszustand der allermeisten ist die Bewusstlosigkeit.

Vierter Akt: Wer sich dennoch wachen Sinnes und offener Augen umsieht, der erkennt im sog. Westen ein System der »letzten Menschen«: eine antriebslose, mehr oder weniger ›glückliche‹, konsumierende Herde, die nichts mehr erreichen will. Weil sie überaltert, verweichlicht, verweiblicht, kastriert, degeneriert und abgrundtief dekadent ist, kurz: eine Herde, die sich selbst aufgegeben hat. Hinter dieser Herde liegt das Primäre und Ursprüngliche und Schöpferische und vor ihr dämmern die Abendröte der Erschöpfung, Entropie und endgültigen Selbstauflösung. Es werden auf allen Ebenen irreversible Tatsachen geschaffen. Es werden die noch Ungeborenen mit immensen Forderungen beliehen. Und es werden auch alle, die nicht einverstanden sind, willkürlich und strafrechtlich dazu gezwungen, das objektiv ›Falsche‹ akzeptieren zu müssen statt sich für das objektiv ›Richtige‹ entscheiden zu dürfen.

Fünfter Akt: Und genau hier beginnt die Notwendigkeit einer klaren Feindbestimmung, ohne die es für den wertschöpfenden Bürger der werktätigen Klasse keine persönliche und keine politische ›Souveränität‹, ja – keine Freiheit gibt. Die täglich wiederkehrende Frage lautet: Sind Pflichten und Kosten gerechtfertigt, die ihm – dem Bürger – gegen seinen Willen und zu seinem Nachteil von Zweiten zugunsten Dritter aufgebürdet werden?

Sechster Akt: Das grundlegende Naturrecht des Einzelnen als ›Souverän‹-seiner-selbst ist das Recht auf Selbsterhalt und Selbsteigentum. Wird dieses Gut von Dritten in Frage gestellt oder geraubt, leitet sich davon zwangsläufig das zweitwichtigste Naturrecht ab, das auf Abwehr. – Doch dieser Abwehrkampf wird nicht sein wie »ein Duell zwischen satisfaktionsfähigen Kavalieren«. Er beginnt mit der Wahrnehmung der Tatsachen, mit einem ›Kassensturz‹ der persönlichen inneren und äußeren Verhältnisse – und der eigenen Verortung innerhalb der Verhältnisse – mit grundsätzlichem Zweifel an den Verhältnissen, mit Klärung der äußeren Lage, mit der Sondierung des Geländes, der Auskundschaftung der feindlichen Linien und der gegnerischen Pläne, mit der Feststellung des beim Gegner vorhandenen Wissens über einen selbst – und schließlich mit der Suche nach Gleichgesinnten.

Siebter Akt: Die ›Souveränität‹ des ›Souveräns‹ ist immer ein Sieg der Eigen- über die Fremdsteuerung. Der Bürger als Souverän ist ein abendländisches Phänomen.

Auf dieser Website sollen die noch bleibenden, schöpferischen Möglichkeiten und deren Bedrohungen erörtert werden.

Souverän sein!

Wörter ändern im Laufe der Zeit ihre Bedeutung. Heutzutage wird Souveränität im Zusammenhang von – einerseits – staatlicher und – andererseits – individueller Souveränität verstanden. Im Kern bedeutet Souveränität so viel wie Selbstbestimmung oder Selbstverwaltung oder Unabhängigkeit. Wenn sich eine Nation wähnt souverän zu sein, so geht sie vom Recht aus, allein darüber entscheiden zu können, was innerhalb ihrer eigenen Grenzen geschieht. Wenn ein Einzelner über »Souveränität« spricht, bezieht er sich ebenfalls auf das Recht über sein eigenes Leben selbst bestimmen zu wollen, mit dem Ziel, über geistige Selbstständigkeit und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu verfügen.

Die Herkunft des Wortes »souverän«

souverän: »die staatlichen Hoheitsrechte uneingeschränkt ausübend«, auch allgemein übertragen gebraucht im Sinne von »jeder Situation gewachsen, überlegen«: Im 17. Jh. aus gleichbed. frz. souverain entlehnt, das seinerseits ein mlat. Adj. superānus »darüber befindlich; überlegen« fortsetzt. Zu lat. super (Adv. und Präp.) »oben, auf, darüber« (vgl. super…). – Dazu das Subst. Souveränität w »Staatshoheit« (17. Jh.; aus gleichbed. frz. souveraineté).

Aus: Duden Band 7, Etymologie – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, Bibliographisches Institut Mannheim AG, 1963

souverän: Adj. erw. fach. ›unabhängig, unumschränkt, sicher, überlegen‹ (< 17. Jh.). Entlehnt aus frz. souverain, dieses über mittellateinische Vermittlung (vor-rom. *superanus) zu l. super ›über‹. Auch substantiviert als Souverän; Abstraktum: Souveränität.

Aus: Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23., erweiterte Auflage, 1999